Religion in Thailand

Die Religion spielt in Thailand eine sehr große Rolle.Der Theravada-Buddhismus ist die dominierende Religion Thailands, etwa 94 % der Bevölkerung bekennen sich dazu. Daneben gibt es bis zu 5 % Muslime (überwiegend Malaien in Südthailand), 0,6 % Christen und 0,1 % (etwa 65.000) Hindus (meist Inder). Nur 0,4 % bezeichnen sich als religionslos. Die Verfassung Thailands legt fest, dass der Staat den Buddhismus und alle anderen Religionen schützen und fördern sowie zur Harmonie unter den Anhängern aller Religionen beitragen soll. Der König muss immer ein Buddhist sein, der Buddhismus ist aber nicht als Staatsreligion festgeschrieben.

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Vor Ankunft der Thai waren im heutigen Thailand Hinduismus, Shivaismus und Mahayana-Buddhismus der Khmer vorherrschend. Im 11. Jahrhundert übernahmen die einwandernden Thai, die schon vorher Kontakt mit dem Mahayana gehabt hatten, den Theravada-Buddhismus von den Birmanen und von den Mon in Nordthailand. Dieser dominiert in Thailand bis heute. Auch wenn er offiziell nicht den Status eine Staatsreligion hat, ist er doch eng mit staatlichen Institutionen verwoben: der König ist oberster Schutzherr des Sangha, der buddhistischen Mönchsgemeinde. Ihre Struktur und Hierarchie ist gesetzlich garantiert und reglementiert. An der Spitze steht der Oberste Sangha-Rat, dem der Sangharaja („Oberster Mönchspatriarch“) vorsteht. Jeder Mann darf sich – auch für eine gewisse Zeit – zum Bhikkhu (buddhistischer Mönch) ordinieren lassen. Es ist normal, dass männliche Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren Novizen werden und sich für ein oder mehrere Jahre dem Studium heiliger Schriften widmen. Die Größe des Sangha ist deshalb nicht genau zu ermitteln. Das religiöse Leben spielt sich vor allem in den Wat ab, von denen es im ganzen Land 30.678 gibt. Sie sind zugleich Klöster der Mönche, Ort der Verehrung des Buddhas, seiner Lehre (Dharma) und seiner Gefolgschaft (Sangha) durch buddhistische Laien sowie soziale Begegnungszentren. Im vormodernen Thailand waren die Wat auch Bildungseinrichtungen und sorgten dafür, dass die Alphabetisierung auch vor Einführung eines staatlichen Bildungswesens relativ hoch war. Der Bau neuer Wat wird meist ausschließlich mit Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Es widerspiegelt das Streben nach religiösen Verdiensten, was ein positives Karma und eine spätere komfortablere Wiedergeburt ermöglichen soll.

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Da der Buddhismus keine Exklusivität fordernde Religion ist, spielen neben dem Buddhismus eine ganze Reihe von anderen Kulten eine wichtige Rolle. Götter und Geister, die aus vorbuddhistischen Zeiten stammen oder hinduistischen oder chinesischen Vorstellungen entspringen, werden in verschiedenen Ritualen verehrt. Dies findet seinen Ausdruck in den Geisterhäuschen, die praktisch vor jedem Gebäude aufgestellt werden sowie in der großen Rolle von Amuletten und Tätowierungen.

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Geisterhäuschen

Drei Hauptquellen haben die Entwicklung des Buddhismus in Thailand beeinflusst. Wichtigste Quelle ist der aus Nordindien (bzw. Sri Lanka) stammende Theravada-Buddhismus, mit teilweise erheblichen lokalen oder regionalen Abwandlungen. Pāli ist die traditionelle Sakralsprache in Thailand. Die heiligen Schriften sind in Pāli abgefasst, entweder in der modernen Thai-Schrift, der älteren Khom- oder der Tham-Schrift. Pāli ist auch die „liturgische Sprache“ in den Zeremonien, obwohl die meisten Thai diese alte mittelindische Sprache nur rudimentär verstehen. Der Pali-Kanon bzw. das „Tipitaka“ (Thai: พระไตรปิฎก, gesprochen: [pʰrá tʰrai-pì-dòk]) ist der religiöse Haupttext Thailands, allerdings wurden auch zahlreiche zusammenfassende Textsammlungen jeweils regional spezifischer Lehren im Tipitaka erstellt. Die thailändische Interpretation der theravadischen Mönchs- und Nonnenregel (Vinaya bzw. Patimokkha, Thai: ปาติโมกข์) erschwert die aktuellen Bestrebungen, die Bhikkhuni- bzw. Nonnen-Tradition (Thai: ภิกษุณี) in Thailand zu beleben.

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Eine weitere Quelle des thailändischen Buddhismus bildet der ebenfalls aus Indien (bzw. Kambodscha) stammende Brahmanismus, der sich besonders während der Sukhothai-Epoche verbreitet hatte. Der vedische Brahmanismus spielte eine wichtige Rolle im frühen Thai-Königtum wie auch in Kambodscha, trug zur Fundierung von Recht und Ordnung in der Thai-Gesellschaft bei und beeinflusste die Entwicklung des Buddhismus in Thailand. Bestimmte Rituale, die Mönche in Thailand vollziehen, dürften ursprünglich brahmanisch oder aus der brahmanischen Praxis abgeleitet sein. Obwohl der Brahmanismus während der Chakri-Dynastie ab dem 18. Jahrhundert weitgehend aus der thailändischen Öffentlichkeit verschwand, lebten brahmanische Elemente – besonders in Gestalt von Brahma-Schreinen (z. B. Erawan-Schrein) – in buddhistischen Einrichtungen und Zeremonien fort.

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Die Volksreligion, die den Zorn zahlreicher Lokalgeister Phi (Thai: ผี) zu besänftigen und ihre Gunst zu erwerben sucht, ist die dritte Quelle der thailändischen Spiritualität. Während westliche Beobachter sowie städtische und westlich erzogene Thai häufig eine Trennlinie zwischen dem Thai-Buddhismus und der Praxis der Volksreligion ziehen, erscheint eine solche Unterscheidung für ländliche Regionen problematisch. Die der Befolgung der buddhistischen Tugendregeln und Rituale zugeschriebene spirituelle Macht setzt man dort zum Beschwichtigen lokaler Naturgeister ein. Zahlreiche Beschränkungen, denen sich buddhistische Mönche auf dem Land unterwerfen, entstammen nicht dem orthodoxen Vinaya (das heißt den Ordensregeln), sondern den Tabus der praktizierten Volksmagie. Astrologie, Numerologie sowie Talismane und Glücksbringer spielen eine bedeutende Rolle im Brauchtum. Ein Beispiel stellen die kleinen Geisterhäuschen (Thai: ศาลพระภูมิ) dar, die neben einem neu errichteten Gebäude platziert werden und deren Bewohnern durch Lebensmittelopfer Respekt gezollt wird.
Der ehemals starke Einfluss des Mahayana-Buddhismus auf den Buddhismus in Thailand ist stark zurückgegangen. Gleichwohl zeigen Darstellungen des Bodhisattva Lokesvara in der religiösen Kunst und der Glaube, der thailändische König selbst sei ein Bodhisattva, den fortdauernden Einfluss von Mahayana-Vorstellungen auf die thailändische Gesellschaft. Die einzige weitere Bodhisattvagestalt, der in Thailand größere Bedeutung beigemessen wird, ist der „Buddha der Zukunft“ Maitreya. Gelegentlich beten die Thai um ihre Wiedergeburt während der Zeit Maitreyas oder widmen ihre religiösen Praktiken diesem Zweck. Ein jüngerer Einfluss des Mahayana auf die thailändische Gesellschaft geht von überseechinesischen Einwanderern aus. Während einige Chinesen zum Theravada-Buddhismus „konvertierten“, behielten andere ihre Tempel im Stil des ostasiatischen Mahayana-Buddhismus bei. Die wachsende Popularität der Bodhisattva („Göttin“) Kuan Yin in Thailand (einer Erscheinungsform des Avalokitesvara) lässt sich dem Einfluss chinesischer Mahayana-Anhänger in Thailand zuschreiben.

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Wie in den meisten Theravada-Ländern zeigt sich der Buddhismus in Thailand hauptsächlich in der Präsenz buddhistischer Mönche, die an Zeremonien mitwirken und für die Bewahrung und die Vermittlung der Lehre Buddhas verantwortlich sind.

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Bis Ende des 20. Jahrhunderts begannen die meisten thailändischen Mönche ihre Laufbahn mit dem Dienst als Dek wat (Thai: เด็กวัด, wörtlich „Tempelkind“). Ein Dek wat ist traditionell nicht jünger als acht Jahre und verrichtet niedere Hausarbeiten am Tempel. Die Hauptmotivation für die Dek wat-Praxis ist, eine grundlegende Ausbildung zu erhalten, besonders im Lesen und Schreiben sowie dem Memorieren der heiligen Texte, die bei rituellen Anlässen rezitiert werden. Vor der Einrichtung staatlicher Hauptschulen war der Dorftempel die Ausbildungsstätte der meisten thailändischen Jungen. Der Tempeldienst als Dek wat galt als Voraussetzung für eine höhere Ausbildung und als einzige Bildungsmöglichkeit für die meisten thailändischen Bauern. Mit der Schaffung eines staatlichen Bildungssystems in Thailand ist die Zahl der als Dek wat lebenden Kinder erheblich gesunken. Dennoch führen zahlreiche staatliche Schulen ihre Arbeit nach den Prämissen des lokalen Dorftempels fort.

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Nach dem (zumindest vierjährigen ) Dienst als Dek wat wird ein angehender Mönch gewöhnlich zum Novizen (sāmanera in Pāli oder nen – เณร in Thai) ordiniert. Die Novizen leben wie die Mönche nach den Regeln, die im Patimokkha (Buddhistische Ordensregeln) fixiert sind, werden aber nicht förmlich zur Befolgung der gesamten Ordensregel verpflichtet. Weitere wesentliche Unterschiede zwischen Novizen und Mönchen bestehen darin, dass Novizen zumeist einen intensiveren Kontakt mit dem Elternhaus pflegen als die Mönche. Die Novizen nehmen nicht an der Verlesung der Ordensregel teil (auch nicht an der Beichte), die an den Uposatha-Tagen (Thai: วันพระ) erfolgt. Sie beteiligen sich offiziell auch nicht an den Mahlzeiten der Mönche im Tempel. Dies wird praktisch lediglich durch einen gewissen Abstand der Sitzplätze durchgeführt; mehr Bedeutung wird hingegen die Trennung zwischen Mönchen und Laien beigemessen.

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Die Dauer eines Noviziats beläuft sich gewöhnlich auf ein bis zwei Jahre. Mit 20 Jahren haben Novizen sich für die höhere Weihe Upasampadā qualifiziert, die sie zum vollen Bhikkhu macht. Ein Novize wird in seiner Ordination zwar offiziell von den Eltern gefördert, aber auf dem Lande ist das gesamte Dorf beteiligt, indem es die Robe, die Bettelschale und weitere Utensilien des Mönchslebens zur Verfügung stellt.

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Die Ordination auf Zeit ist unter thailändischen Buddhisten die Regel. Die meisten jungen Männer werden traditionell für eine Regenzeit (in Pāli Vassa, in Thai Phansa – พรรษา, siehe: Khao Phansa – เข้าพรรษา) ordiniert. Wer über seine erste Vassa hinaus Mönch bleibt, bleibt dies gewöhnlich für die Dauer von ein bis drei Jahren. In dieser Zeit wirkt der Mönch mit an den religiösen Zeremonien in den Dörfern der Umgebung und kann weitere Fertigkeiten im Lesen und Schreiben (möglicherweise einschließlich Kham- oder Tham-Schrift, der traditionellen Sprache religiöser Texte) erwerben. Nach diesem Zeitabschnitt kehren die meisten jungen Mönche in ihr früheres Leben zurück, heiraten und gründen eine Familie. Eine Zeit als Mönch gilt als Vorbedingung für zahlreiche Führungspositionen innerhalb der dörflichen Hierarchie. Die meisten Dorfältesten oder –führer waren einst Mönche wie auch die meisten traditionellen Heiler, Geisterbeschwörer, Astrologen und Wahrsager.

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Mönche, die nicht in das Alltagsleben zurückkehren, spezialisieren sich entweder auf die Gelehrsamkeit oder die Meditation. Die sich auf Gelehrsamkeit spezialisieren, besuchen gewöhnlich die regionalen Ausbildungszentren, um die Pāli-Sprache und die heiligen Schriften zu studieren und können dies später in den Kloster-Hochschulen in Bangkok fortsetzen. Der Weg der Gelehrsamkeit wird auch von den Mönchen eingeschlagen, die eine Laufbahn in der geistlichen Hierarchie anstreben, da Beförderungen innerhalb des staatlich gelenkten Systems von der Qualifikation in Pāli und buddhistischer Philosophie abhängen.

Mönche, die sich auf Meditation spezialisieren, suchen Anschluss an einen bekannten Meister der Meditationstradition, bei dem sie einige Jahre studieren. „Meditationsmönche“ werden in der thailändischen Gesellschaft als im Besitz hoher Tugenden und als Quelle bestimmter übernatürlicher Mächte sehr geschätzt. Ironischerweise müssen gerade Mönche der Waldtradition angesichts der Zudringlichkeit enthusiastischer Verehrer, die bei ihnen Segen und Zuwendung suchen, häufig um Zeit und Rückzugsmöglichkeiten für die eigene Meditation kämpfen.

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Anders als in Myanmar und Sri Lanka, hat sich die theravadische Bhikkhuni-Tradition in Thailand nie etabliert. Infolgedessen lehnen die Thai die Vorstellung von Frauenorden ab; stattdessen erwartet man, dass sie als Laienjüngerinnen leben und Verdienste erwerben in der Hoffnung auf eine Wiederverkörperung als männlicher Buddhist in einem künftigen Leben. Infolgedessen beschränken sich weibliche Laien auf die Teilnahme am allgemeinen religiösen Leben, entweder bei religiös verdienstvollen Kollektivritualen oder indem sie Hausarbeiten am Tempel verrichten. Eine kleinere Zahl Frauen entschließt sich zur Laufbahn als Mae Chi, nicht-ordinierte religiöse Spezialistinnen nach strenger Observanz der acht beziehungsweise zehn Gebote (Sila – ศีลแปด). Mae Chi finden im Allgemeinen keineswegs die gleiche Unterstützung wie die ordinierten Mönche. Ihre Position in der thailändischen Gesellschaft ist umstritten.

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Jüngste Bemühungen, die Bhikkhuni-Tradition nach dem Vorbild Sri Lankas stärker in den thailändischen Buddhismus einzuführen und die Position von Frauen zu verbessern, erfuhren – anders als vergleichbare Veränderungen im Nachbarland – heftigen Widerstand. Frauen, die eine Ordination anstrebten, klagte man des Versuchs an, das Mönchsleben unzulässigerweise nachzuahmen (in Thailand ein Delikt); ihre Aktivität wurde von zahlreichen Mitgliedern der geistlichen Hierarchie verurteilt. Der Haupteinwand gegen die Wiedereinführung eines Frauenordens besteht darin, dass die Klosterregel die Anwesenheit von jeweils fünf ordinierten Mönchen und Nonnen für jede Bhikkhuni-Ordination erfordert. Ohne solch ein Quorum sei es unmöglich, neue Bhikkhuni zu ordinieren.

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Eine Gruppe von Frauen um die Nonne Dhammananda Bhikkhuni bemüht sich deshalb um eine Ordination als Bhikkhuni in Sri Lanka, wodurch in einigen Jahren das erforderliche Quorum von thailändischen Frauen für eine Ordination in Thailand entstehen könnte. Das Verbot der Bhikkhuni-Ordination erstreckt sich paradoxerweise auch auf Frauen, die in westlichen Ländern in den Orden der Waldtradition eingetreten sind. Die Ordination von vier Frauen zu Bhikkhunis führte im Herbst 2009 zum Ausschluss des aus England stammenden Mönchs Ajahn Brahmavamso aus der Waldtradition für seine Person und sein australisches Kloster.

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Die Muslime, fast ausschließlich Sunniten, machen etwa 5 % der Gesamtbevölkerung aus. Sie stellen jedoch die Bevölkerungsmehrheit in den vier Südprovinzen Narathiwat, Pattani, Yala und Satun an der Grenze zu Malaysia. In den drei erstgenannten sind es vorwiegend Malaien (die sich fast ausnahmslos zum Islam bekennen), in der letzten dagegen thaisprachige Muslime. In der Provinz Songkhla machen Muslime kaum ein Viertel aus, allerdings haben mindestens fünf der 16 Diskrikte (Amphoe) dieser Provinz muslimische Mehrheiten. Im Rest des Landes sind Muslime als Minderheit verbreitet, sie sind meist Nachfahren von Einwanderern aus Süd- und Vorderasien oder Thai, die den Islam angenommen haben.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel

https://de.wikipedia.org/wiki/Thailand#Religionen
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